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Testreise
Die Yacht "Nashachata" wurde den Werftarbeitern buchstäblich aus den Händen gerissen und stach unter dem Komando von Zbyszek Jalocha zur Testreise nach Oslo in See. Sie hat sich sehr gut gehalten.
"Nashachata" - dieser Name ist für ein Segelschiff vielleicht etwas ungewöhnlich. Das Wort kommt aus der Sprache der Inuit/"Eskimos" (Inuktitut) und bedeutet Walross.
Im Polnischen klingt das Wort wie "Nasza Chata", was übersetzt soviel wie "Unsere Hütte" heißt. Die humorvolle Doppeldeutigkeit dieses Begriffes hat den polnischen Eigner Zbyszek Jalocha veranlasst, seine neue Segelyacht auf diesen Namen taufen zu lassen.
Mitte Oktober 2007 wurde die Yacht "Nashachata" den Werftarbeitern in Gdañsk, die noch mit den letzten Ausbauarbeiten beschäftigt waren, nahezu unter den Händen "weggerissen", um unter Zbyszeks Kommando eine erste Testreise nach Oslo zu absolvieren.
Schon nach 4 Tagen erreichte die tapfere Crew ihr Ziel - trotz schwerer See und den ersten Herbststürmen. Hier in Norwegens Hauptstadt übernahm ich das Schiff, um sie zusammen mit einer deutsch-polnischen Mannschaft zurückzusegeln.
Die Bezeichnung "Testreise" für diesen Törn galt in zweifacher Hinsicht: Nicht nur die Yacht sollte auf eine erste Bewährungsprobe gestellt werden, auch wollte ich gerne die Crew auf ihre "Tauglichkeit" prüfen, denn im nächsten Jahr plane ich mit dieser Yacht eine größere Expedition in die Antarktis (siehe "Larsen 2008" - www.conceptsailing.org).
Die "wundersame" Schwedische Antarktisexpedition (1901 - 04) und ihre spektakuläre Rettungsaktion, die eine Fahrt mit einem Walfängerboot über 200 Seemeilen in der eisigen Wedellsee einschloss, inspirierte mich dazu. Mein Plan ist es, diese Bootsfahrt im Winter 2008/09 zu wiederholen, begleitet von der Segelyacht "Nashachata".
Oslo war daher kein zufällig gewählter Ort für den Crew-Wechsel. Abgesehen von seiner guten Verkehrsanbindung, reizte mich auch der Besuch des berühmten Fram-Museums, des Wikingermuseums mit den bekannten Schiffsfunden sowie die Nähe zu dem kleinen Städtchen Sandefjord, am westlichen Eingang des Oslofjords gelegen.
Der Besuch dieses Ortes war für mich aus mehreren Gründen wichtig. Insbesondere die Bezüge zu unserer Expedition waren für mich von großer Bedeutung, denn schließlich war hier die Heimat des Kapitäns Carl Anton Larsen, Führer des damaligen Expeditionsschiffes "Antarctic" und des Rettungsbootes der schwedischen Mannschaft und gleichzeitig Namensgeber unserer geplanten Expedition.
Zum anderen leitet dort mein alter Bekannter Stig-Tore Lunde in Sandefjord ein Museum über die Geschichte des Walfangs. Er organisierte eine sehr interessante Führung für uns, die nicht nur den Besuch des Museums sondern auch einen Ausflug in die nähere Umgebung einschloss und uns zu den wichtigsten Stätten des Lebens von Kapitän Larsen führte - das Geburtshaus, das Haus, indem er mit seiner Familie lebte und schließlich auch sein Grab und ein Denkmal zu seinen Ehren.
Das Leben von Larsen ist, wie nahezu aller Bewohner von Sandefjord, eng mit dem Walfang verbunden gewesen. So wurde bereits im Jahre 1904 auf seine Empfehlung hin, die Walfangsstation Grytviken auf Süd-Georgien errichtet und markierte damit den Beginn des industriellen Walfangs in Norwegen.
In Sandefjord sind auch heute noch die Geschichten um den Walfang lebendig, eine Epoche, die die Menschen dieser Region bis in die heutige Zeit geprägt hat. Sogar einige noch lebende Zeugen dieser Vergangenheit konnten wir treffen, wie z.B. den Neffen, des ersten auf Süd-Georgien geborenen Kindes.
Eine ganz besondere Überraschung erwartete mich ebenfalls bei unserer Führung durch die Stadt. Wir besuchten den Ort, an dem das berühmte Schiff von Sir Ernest Shackleton - die Endurance - gebaut wurde und das Grab des Stationsverwalters der Walfangstation Stromness auf Südgeorgien, die erste Person, die Shackleton nach seiner abenteuerlichen Rettung zurück in der Zivilisation empfing.
Welch eine Fügung, dass hier an diesem Ort Spuren meiner vergangenen ("Shackleton 2000" mit Arved Fuchs) und meiner zukünftigen Expeditionsprojekte ("Larsen 2008") so eng miteinander verwoben sind.
Nach dem Besuch des gastfreundlichen Sandefjord verließen wir die norwegischen Gewässer gen Süden. Die Hoffnung mit achterlichen Winden segeln zu können, mussten wir jedoch leider schnell aufgeben und gegen einen recht steifen SE - Wind mühsam ansegeln.
Ein kurzer Aufenthalt in Stralsund brachte ein unerwartetes Treffen mit der Segelyacht "Stary" und seiner Crew, berühmt von der Nordwestpassage 2006.
"Nashachata" segelte tapfer weiter gen Osten und das Heft mit den Notizen, über noch anstehende Werft-Arbeiten, Verbesserungen und Ergänzungen wurde dicker und dicker. Pünktlich erreichten wir die Danziger Bucht, liefen vorher aber noch die Halbinsel Hel an, wo wir in der Kneipe "Captain Morgan" unseren Abschied feierten.
Am nächsten Tag übergaben wir das Schiff wieder in die Hände des Eigners Zbyszek, die Werft-Arbeiter bekamen neue Aufträge und wir sehen voller Erwartung dem nächsten Jahr entgegen, das sicherlich eine Menge aufregender Reisen mit SY Nashachata bringen wird.
Henryk Wolski

führt sich leicht

Navigationsecke genant Zbiniewsaltar

die Herren beim Abendessen

crew von links: Janek, Alex, Gerd, Katrin, Andreas, Anton, Kerstin, Wilfried, Elke, Henryk




